Rückreise

Unsere Rückreise beginnt. Nachdem wir abends die Notwendigkeit von Vorschriften bei einem Glas Chardonnay ausdiskutiert haben (mein Standpunkt: Vorschriften sind für Menschen, die nicht denken sollen, wobei sie nur allzu gern missbraucht werden von jenen, die es nicht wollen), sind heute morgen unsere Koffer gepackt, die Unterkunft bezahlt und eine wahre „Vorfreude“ auf die schmalen, steilen Kehren vom Moarhof bergab, ist dem einen oder auch anderen Reiseteilnehmer deutlich ins Gesicht geschrieben.

In St. Leonhard wird noch rasch getankt. Wir hätten wegen der horrenden Preise damit gern bis Österreich gewartet, aber auf dem Jaufenpass liegen zu bleiben, erscheint keinem als Alternative – zumindest nicht im Anstieg.

Ja, der Jaufenpass. 2099 m hoch, 39 km lang und mit 23 Kehren versehen. Da muss ich mich, trotz des einfachen Schwierigkeitsgrades, an einigen Stellen wieder ziemlich hart an die Kandarre nehmen, um meine Höhenangst zu beherrschen. Aber im Gegensatz zum Timmelsjoch ist dieser Pass wirklich einfach schön zu fahren: Die Kehren, weit und bestens einsehbar, Zwischenstücke elegant mit Wechselkurven garniert und zu meiner großen Freude verläuft die Straße auch über längere Strecken schattig mit talseitigem Baumbewuchs.

Oben angekommen, geht sogar ein kleines Lüftchen und mit knapp unter 30°C ist es angenehm kühl. Nachdem wir das obligatorische Passfoto gemacht haben, rollen wir hinab nach Sterzing.

Inzwischen steigt die Temperatur, je weiter wir uns dem Tal nähern. Unten im Ort habe ich bereits knapp 34°C auf dem Thermometer und die vielen Kreisverkehre auf dem Weg zur Brennerstraße lassen kaum kühlenden Fahrtwind aufkommen.

Auf der Brennerstraße selbst ist fast nichts los. Alle fahren wie selbstverständlich die Autobahn entlang. Wie schön für uns! Keine Maut, kein Verkehr, ein paar hübsche kleine Dörfer und die durchaus sehenswerten Städtchen Steinach und Matrei am Brenner.

Hier und insbesondere auch in den Ellenbögen, die wir vor Jahren einmal quasi aus Versehen durchfahren hatten als unser Navi unbemerkt auf „kürzeste Strecke“ eingestellt war, ist man ganz sicher nicht sehr begeistert vom Autobahn-Ausweichverkehr und ich kann es gut nachvollziehen, dass Tirol seine Abfahren von der Brennerautobahn an Wochenenden für eben jenen Ausweichverkehr gesperrt hat. Wir jedenfalls sind am Donnerstag von derartigen Beschränkungen unberührt und freuen uns auf Kurven ohne Ende, zahlenmäßig deutlich zunehmend, je näher wir an Innsbruck heran kommen.

Dort stecken wir allerdings im mittäglichen Stop&Go bei inzwischen 39°C. Schlappmachen gilt nicht, Umfallen geht nicht, Auskneifen geht auch nicht und Rettungswagen für überhitzte Biker hätten ohnehin keine Chance durch zu kommen. Die Autos stehen dicht an dicht. Also wacker von Ampel zu Ampel weiter schleichen bis das üble Theater endlich ein Ende hat…

Am Zirler Berg geht es zunächst flott voran, was unserer Betriebstemperatur sehr zuträglich ist, bis zwei voraus kriechende LKW nur noch eine Höchstgeschwindigkeit von 14 km/h für die ihnen Nachfolgenden zulassen. Da muss man dann schon mal jede sich bietende Lücke nutzen, um Kolonnenhopping zu machen.

Ein Highlight des Nachmittags ist die Fahrt entlang des Walchensees und der wunderbar kurvige Übergang zum Kochelsee. Vor Jahren musste ich hier mit 10 km/h hinter einem Linienbus herfahren, der wegen des Gegenverkehrs nicht zu überholen war, und vor zwei Jahren krochen wir im PKW hinter einem Supervorsichtigen her, der bei 25 km/h bereits an seine fahrerischen Grenzen stieß. Heute ist alles anders! Heute macht es hier richtig Spaß!

Schließlich landen wir in München. Feierabendverkehr. Auf dem Mittleren Ring Richtung Norden ist alles dicht. Wieder 39°C. Die Maschinen kochen, wir sind auch fast gar. Und das Navi? Es lässt uns nicht im Stich, führt uns durch kleine und kleinste Straßen am Stau vorbei. Nur schleichen wir hier wieder von Ampel zu Ampel – wir sind nämlich nicht die einzigen, die ein Navi haben. Vielleicht wäre ein Stehen im Stau, in irgend einem der vielen Münchner Tunnel, doch angenehmer gewesen…?

Nach etwa einer Stunde sind wir endlich auf der A9 Richtung Nürnberg und haben das Gefühl zwischen Lebensmüden zu fahren. Ab Freimann könnten alle vier Spuren zügig in Kolonne fahren, wenn da eben nicht die Superschlauen wären, die, lässig einen Arm aus dem offenen Fenster hängend, im Spurenhopping ein Auto links, ein weiteres rechts, wieder eines links, na, und so weiter überholen. Macht das einer, schüttelt man innerlich den Kopf. Hier ist das offenbar Volkssport für diejenigen, die den Slogan „Vorsprung durch Technik“ falsch verstanden haben.

Irgendwann sind wir bei Suse in Freising angekommen, völlig überhitzt, völlig ausgetrocknet. Ich parke meine Maschine vor dem Haus, Nicoline kriegt die Kurve nicht mehr, fährt geradeaus den Berg hoch. Im Helm höre ich: „Ich wende oben. Komme gleich.“ Dann folgt längere Stille. Mein Handy meldet sich. „Meine Maschine steht oben im Erdbeerfeld – aber sie liegt nicht! Holst Du sie?“ Etwas bemüht schleppe ich mich den Berg hoch und lege zum krönenden Abschluss des Tages noch eine kleine OffRoad-Tour durch das Erdbeerfeld ein.

Morgen geht’s durch den Bayerischen Wald nach Hause. Es waren trotz allem schöne und harmonische Tage! Danke an Dennis und Yasmin, die die Vorbereitungen getroffen, den Moarhof gebucht und die Touren vorbereitet hatten. Einfach mal hinterher zu fahren macht auch Spaß!

Ein Eintrag im “Rückreise”

  1. Mensch…. da schwitzt man ja beim Lesen mit😎Danke , dass Du Deine werte Leserschaft virtuell als „Beifahrer“ mitgenommen hast.

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