Meran und die Gärten von Trautmannsdorff

Der Wetterbericht sagt Temperaturen von deutlich über 30°C voraus. Müssen wir da mit den Maschinen nach Meran, um dann in den schweren Anzügen und den dicken Stiefeln durch die Stadt oder zu den Trauttmansdorffer Gärten zu laufen? Nein! Müssen wir nicht!

Wir fragen einfach die App „SüdtirolToGo“, den ÖPNV-Alleswisser für die Provinz Bozen, welche Busverbindungen es von St. Martin nach Meran gibt und überraschen unsere Gastgeberin Brigitte damit, dass die Bushaltestellen in ihrem Dorf sogar richtige Namen haben, denn wie überall in Italien stehen die bestenfalls auf den Fahrplänen, aber so gut wie nie an den Haltestellen. Quasi zum Dank fährt sie uns ins Tal und wird uns später auch wieder abholen. Das Thermometer in ihrem Toyota zeigt bereits jetzt 32°C an.

Da stehen wir also in praller Sonne und warten. Busse in Italien kommen oder kommen nicht, das ist eben so. Wir wissen aus dem Wintersport, dass hier nur Demut weiter hilft. Aber im Gegensatz zu den Dolomiten, kommt dieser Bus praktisch auf die Minute. Sollte Italien doch weit weg sein?

Ich bitte den Fahrer um einen Fahrschein für vier Personen nach Meran zum Bahnhof und schaue in ein Gesicht, das mir sagt: Meran? Wer fährt hier nach Meran? Und wieso eine Fahrkarte, die anderen im Bus haben doch auch keine… Nach längerem Insistieren und dem Rezitieren der Worte „Bahnhof“ und „Zentrum“ in den wenigen, mir geläufigen Fremdsprachen, tappt er unwillig auf seinem Display herum und ich erhalte tatsächlich ein Ticket. Sechs Euronen verlangt er. Die App hatte mir das Doppelte prognostiziert – aber ok, er wird´s schon wissen.

Dann folgen 40 Minuten Panoramafahrt für Rentner durch das sonnige Passeiertal bis Meran. Dort steigen wir in den Stadtbus um, zahlen wieder sechs Euronen und sind wenige Minuten später am Schloss Trauttmansdorff.

Trauttmansdorff ist für meinen Geschmack nicht gerade eine Schönheit. Aber bei der wechselvollen Geschichte dieser aus dem Jahre 1300-und-irgendwas stammenden Burg und ihren vielfältigen Um- und Anbauten kann man auf eine „homogene Schönheit“, wie sie der kitschverliebte Bayernludwig ausgelebt hat, wohl nicht hoffen. Da hilft auch nicht, dass Sissi, die Österreichische Kaiserin Elisabeth hier gern und mehrfach ihren Kurlaub verbrachte. Wahrscheinlich war sie zu Lebzeiten deutlich weniger kitschig als die Filme über sie. Wie dem auch sei, es ist es der Stadt Meran und dem Engagement der Provinz Südtirol zu verdanken, dass es die Anlage immer noch gibt und dass sie mit ihren Gärten eine neue, voraussichtlich dauerhafte Bestimmung erhalten hat – nämlich das Touriseum, das Südtiroler Landesmuseum für Tourismus, und eben den Botanischen Garten der Stadt Meran.

„Zwei Erwachsene und zwei Senioren.“ (ja, ja, die Zeit des Erwachsenseins ist vorbei; jetzt geht’s in Richtung Senilität!) Nach Zahlung von 52 Euronen sind wir im Garten, suchen zunächst einmal in den Waldgärten Schatten! Die Maschinen auf dem Berg gelassen zu haben war eine weise Entscheidung!

Es ist die Blütezeit der Petunien und die vielfältigen Nuancen der Blütenfarben von lichtem Cremegelb, Zartrosa und leuchtendem Rot bis zu tief dunkelrotem und -blauem Violett sind wirklich etwas für´s Auge. Kurz darauf befinden wir uns im Glashaus, einem Refugium für tropische Nutzpflanzen, Schmetterlinge und exotische (Klein-)Tiere.

Schön anzuschauen ist zum Beispiel die Kolonie Blattschneiderameisen, die fleißig die ihnen dargebotenen Hortensienstengel mitsamt Blüten zu Konfetti verarbeitet, um damit den Eingang zu ihrem unterirdischen Bau zu dekorieren – sieht aus, wie der Teppich nach einer Silvesterparty. Und wer gelbe oder blaue Frösche mag, kommt auch auf seine Kosten.

Wir bummeln weiter, vorbei an kleinen Reisfeldern und einem begehbaren Bienenkorb (Mund zu machen!), durch den Garten für Verliebte zum Matteo Thun´schen Gucker, einer absoluten NoGo-Area – zumindest für mich.

Dann sind wir derart überhitzt, dass der Weg ins schattige Café als einzige Rettung erscheint. Kalte Cola und kaltes Skiwasser, das hier Himbeerschorle heißt, begleitet von zwei Kugeln Vanille-Eis, die geradezu wollüstig auf einem Berg leckerer Erdbeeren thronen, geben ihr Bestes, lassen uns wieder auf normale Betriebstemperaturen kommen.

Anschließend fahren wir wieder mit dem Stadtbus (nochmal 6 Euronen) in die Stadt. Auf der schattigen Sommerpromenade der Passer ist es gut auszuhalten; die auf der anderen Flussseite gelegene Winterpromenade ist dagegen schattenlos.

Im Ort, in der Altstadt gibt es aber genügend Schatten, schon, weil die Häuser recht eng stehen und sich fast alle Geschäfte in kühlen Laubengängen, wie man sie auch aus der Schweiz kennt, befinden. Früher wusste man eben baulich mit Hitze, Kälte und Regen umzugehen. Heute muss alles elektrisch funktionieren…

Wir machen noch den obligatorischen Abstecher in die Stadtkirche, die Pfarrkirche St. Nikolaus, und suchen dann doch ziemlich flott die nächste Bushaltestelle. Dummerweise kennt der jetzige Fahrer unsere Zielstation und auch die korrekten Preise dorthin…

Fazit: Das Passeiertal als Ausgangspunkt für einen Stadtbesuch in Meran ist geradezu ideal. Zweifelsohne preislich günstiger als die Stadt selbst und landschaftlich einfach schön. Meran als Stadt hat mindestens soviel Charme, wie Bozen und wir haben uns fest vorgenommen, im Winter, wenn wir von unserem Wintersporthotel den Südtirolpass bekommen, mit dem wir dann kostenlos Bahn und Bus fahren können, noch einmal hier her zu kommen!

Ein Eintrag im “Meran und die Gärten von Trautmannsdorff”

  1. Am heutigen wunderschönen Sommerabend sitzen Detlef und ich auf dem Balkon. Ich habe ihn an meiner Lese“stunde“ akustisch teilhaben lassen. Weil ich der festen Überzeugung bin, dass es viel zu schade ist, wenn ich Deine so herrlich bildlichen, blumigen Zeilen alleine lese. 😎

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