Methan, Aethan, Propan, Bhutan. Diese Reihe ist mir noch aus meinen Studienzeiten bekannt. Auch soll es hier in der Gegend irgendwo ein Buthan geben, in dem soetwas Merkwürdiges, wie ein „Bruttonationalglück“ herrscht (alle sind arm und glücklich). Aber Busan? Nie gehört.
Peinlich, peinlich! Denn Busan ist mit ca. 3,5 Millionen Einwohnern Südkoreas zweitgrößte und bedeutendste Hafenstadt – und da genau liegt jetzt unser Schiff.
Ahnungslos, wie wir waren (und ganz ehrlich, immer noch sind) haben wir „Ein Tag in Busan“ gebucht, sind nicht dem Lektor auf den Leim gegangen, der Tags zuvor wieder allerlei kostenlose Sehenswürdigkeiten angepriesen hatte. Nein, wir wollen (!) den geführten Snapshot! Wir sind halt neugierig und bequem – sehr gern sogar!
Und dieser Snapshot beginnt mit einem Guide, der erstaunlich gut Deutsch spricht, 35 Jahre in Konstanz gelebt und während dieser Zeit auch noch Linguistik studiert hat. Äußerst angenehm!
Dann aber schon die nächste Peinlichkeit. Er fragt, wer die Flagge von Südkorea kennt – und hält die von Nordkorea hoch. Keiner hat’s bemerkt. Auf die nächste Frage, wie denn der aktuelle Staatspräsident von Südkorea heißt? Keine Antwort, nicht nur von uns – er erspart allen höflichkeitshalber die Peinlichkeit, dessen Namen zu nennen.
Während wir nun, wegen seiner schönen Aussicht auf’s Meer, zum berühmten Haedong-Yonggungsa-Tempel unterwegs sind (niemand außer ihm kann das aussprechen) erfahren wir, dass es in Korea unhöflich ist, jemanden nach seinem Alter zu fragen. Man fragt nach dem Tierkreiszeichen seines Geburtsjahres, schaut ihn sich an und schätzt dann sein Alter. Am Eingang des Tempels stünden alle zwölf Tiere als Statuen. Es könnte sich ja jeder mal neben „seine“ Figur stellen. Schätzen muss er nicht – sind eh alles alte Leute (was er natürlich höflichkeitshalber wieder nicht sagt).


Der Tempeleingang sieht dann allerdings zunächst ganz anders aus. Bis wir zu den Steinfiguren durchgedrungen sind, haben wir eine stattliche Anzahl an Souvenir- und Kitschbuden passiert. Glaube und Kommerz sind hier in Asien immer eng miteinander verbunden. Na ja, denkt man an 14-Heiligen, ist es so viel anders bei uns auch nicht…
Und die Figuren sind dann auch einigermaßen anders, als gedacht. „Mein“ Drache ist garantiert niemals geflogen und Nicolines Pferd sieht auch nicht so aus, als hätte es jemals eine Weide gesehen. Tja, und der Tempel selbst mit seiner tollen Aussicht auf’s Meer? Sicher, er liegt quasi direkt am Steilufer einer kleinen Bucht, aber es sind derart viele andere Besucher dort, dass man kaum mal eine „tolle Aussicht“ genießen könnte. Also retour zum Bus!

Nächste Station: Das APEC-Haus. Ein Rundbau, extra 2003 auf der Kamelieninsel Dongbaeksom für das Gipfeltreffen der APEC-Staaten erbaut und der Stolz der Stadt. Innen ist es wenig spektakulär: Ein großer Konferenzsaal für medienwirksame Abstimmungen und mehrere kleine Räume mit gemütlichen Sesseln und Meerblick für die tatsächlich wichtigen individuellen Gespräche.

Wir sind rasch durch, gehen allein ein Stück auf der Straße zum nahegelegenen Leuchtturm (wer dänische Leuchttürme kennt, gerät in’s Schmunzeln). Aber von dort entdecken wir einen hölzernen Weg, der treppauf, treppab, der zerklüfteten Küste folgend, quasi an den Fels geklebt ist. Natürlich gehen wir dort entlang, finden uns inmitten phantastischer Ausblicke und romantischer Szenerien auf kleinen, in den Weg integrierten Plattformen, geschaffen ganz im Sinne der für Asien typischen Ästhetik: Künstlich geschaffen, aber natürlich aussehend. Eine wundervolle Komposition. Großartig!

Zum Mittag gibt es in ein Koreanisches Barbecue mit allem, was Koreaner angeblich so lieben: Fetter Schweinebauch und Schweinerippchen. Jetzt kommt uns zum ersten Mal zu Gute, dass wir bereits vier Bundesländer bewohnt haben. Das, was da auf dem Tisch zum Braten liegt, ist „feddsches Wammerl“. Allerdings ist das Stück Fleisch derart dick, dass es nie richtig gar, sondern vorher verbrannt sein würde. Der Guide hilft. Er nimmt eine Art Tranchierschere und schneidet den fetten Koloss in dünne Scheiben. Ahh, so geht das!

Nächste Herausforderung: Die als Besteck gereichten Stäbchen sind rund. Überall. Auch da, wo alltägliche Bambusstäbchen normalerweise eckig sind. Man tut sich schwer! Aber weil wir einst von einem meiner chinesischen Mitarbeiter gelernt haben, wie man kleine oder rutschige Dinge mit Stäbchen isst (die Schale mit dem zu verzehrenden Inhalt direkt unter den Mund halten und ihn dann einfach reinschaufeln), schaffen wir es, alle Bestandteile des Mahls problemlos aufzuessen. Sieht sicher nicht immer elegant aus, ist aber praktisch.
Danach steht ein Besuch des berühmten Fischmakts auf dem Programm. Und der hat’s in sich! Was hier an Meeresgetier, tot oder lebendig, bereits verarbeitet oder nicht, feilgeboten wird, lässt unsere norddeutsch geprägten Herzen hoch und höher schlagen! Krabben, kleine und riesige Krebse, Langusten, Garnelen, Fische, die uns bekannt vorkommen und solche – wie die meisten – von deren Existenz wir bislang nichts wussten, Algen, Tang und diverses Anderes, was man so im Meer finden und fangen kann. Es ist einfach umwerfend. Wären wir länger hier, dieser Markt würde zu unserer zweiten Heimat! Natürlich beschweren sich ein paar Mitreisende, dass alles ungekühlt und offen auf den Ständen herumliegt, aber es riecht nirgends nach Fisch! Also, was soll’s…
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Unsere Gruppe zieht weiter mit dem Guide zu einem anderen Markt, der uns nicht interessiert. Folglich gehen wir allein die nächstbeste Hauptstraße entlang. Und während wir Windowshopping machen, kommen wir an einem Laden vorbei, in dem Hundewelpen ausgestellt sind. „Ob die wohl als Haustiere oder zum essen verkauft werden?“ frage ich und erhalte die überraschend pragmatische Antwort „Vielleicht kauft man sie als Welpen und isst sie, wenn sie gewachsen sind“. Soviel Bauernhofmentalität hätte ich Nicoline gar nicht zugetraut. Ein paar Häuser weiter, kommen wir an einer Tür mit der Aufschrift „Animal Hospital“ vorbei. Wie schön, dass man auch hier auf gesunde Lebensmittel achtet!

Zu guter Letzt geht’s noch zum Busan-Tower. Der wäre nicht weiter erwähnenswert, wenn nicht vor dem Eingang ein prächtiger Drache zu sehen wäre, der in seiner Rechten eine weiße Kugel hält. Jahrelang hatte ich den Wunsch, eine auf Tschechenmärkten angebotene Drachenfigur mit genau so einer Kugel als Gartenlampe zu kaufen. Immer wurde ich beschieden, dass uns so ein Kitsch nicht in den Garten käme. Jetzt und hier weise ich meinen Haushaltsvorstand darauf hin, dass dieser Drache quasi das Vorbild für die nie gekaufte Lampe ist.
Nicoline schlägt die Hände über dem Kopf zusammen…

