Europas Geschichte

Luxemburg verabschiedet uns mit einem französischen Frühstück, das doch wieder keines ist. Neben Croissants und Baguette gibt es Aufschnitt und Käse, es gibt Earl-Grey-Tea und der Kaffee ist genießbar. Erstaunlich angenehm und scheinbar typisch Luxemburg.

Grenze zu Belgien
Luxemburg ist schon wieder zu Ende…

Der Weg nach Belgien ist nicht weit. Von West nach Ost ist das Land noch kürzer als von Nord nach Süd. Kaum hat man den Landesnamen zu Ende gedacht, ist man auch schon wieder raus. Da wir gestern noch den einen Cache gefunden haben, der uns auch dieses Land als besucht kennzeichnen wird, freuen wir uns jetzt auf den kleinen Zipfel von Belgien, den wir vor der französischen Grenze durchfahren wollen.

„Sedan“ steht auf einem Wegweiser. Ich erinnere mich, irgendwann einmal, vor vielen Jahren, dort gewesen zu sein – auf dem Deutsch/Französischen Schlachtfeld von 1870/71. Keine angenehme Erinnerung. Und ja, es passt: Die Landschaft hier sieht so ähnlich aus – trotz Belgien. Sedan ist eben nicht weit weg.

Soldaten WW1
Franz und Otto Benn als WW1-Soldat

Und dann ist es auch schon wieder vorbei mit König Philippes Reich. Wir sind in Frankreich. Landschaftlich hat sich kaum etwas geändert. Weite Felder, vereinzelte kleine Wäldchen, kaum Dörfer, leicht hügelig das Ganze, nichts wirklich für’s Auge. Dann ein Wegweiser mit der Aufschrift „Verdun“. Verdammt, nimmt das denn gar kein Ende?

Plötzlich „sehe“ ich die Gräben, die Stacheldrahtverhaue, die Granattrichter im Gelände. Büsche und Wäldchen werden zu Gefechtsschutz, Hügel zu strategischen Anhöhen. Ich erinnere mich an ein altes Foto aus dem Bestand meiner Familie. Es zeigt zwei von fünf Brüdern, die für den Kaiser in den Krieg geschickt wurden; wenig begeisterter Gesichtsausdruck, Gewehr, Uniform, Tornister. Drei der fünf waren damals keine 20 Jahre alt; sie sind es nie geworden. Was für ein Wahnsinn.

Wegweiser Verdun
Wegweiser in die Geschichte!

Die Straßen sind ziemlich gerade, es gibt nicht viel, auf das man achten müsste. Ich frage mich, warum immer gerade hier Krieg geführt wurde? Selbst die Römer waren bereits in dieser Gegend, in der außer Champagner doch offensichtlich so wenig zu holen ist.

Hier und jetzt, also 50 Jahre später muss ich eingestehen, dass die monotonen Monologe meines Geschichtslehrers immer in direkter Konkurrenz standen zu Morpheus’ Werben, ihm für die nächsten 45 Minuten in sein Reich zu folgen. Ein ungleicher Kampf, den der Lehrer nie gewinnen konnte. Insofern müsste ich ihm jetzt Abbitte tun, mir Asche aufs Haupt streuen – und/oder bei Wikipedia nachschauen. Geht aber nicht, freihändig fahren ist nicht erlaubt.

Aber ich „sehe“ auch Parallelen, wenn die „Neuen“ im politischen Gremium geschlossen mit dunkler Hose, weißem Hemd, blauer Krawatte, eingesticktem Parteilogo auf der einen und ihrem Namen auf der anderen Kragenspitze erscheinen. So signalisiert man: Seht her, Ihr gehört nicht dazu! Wir (!) sind die Vertreter von Disziplin, Recht und Ordnung!

Es bedarf keines großartigen Geschichtsunterrichts, um die Gefahr zu erkennen, die hinter diesem Signal lauert. Wie groß sie ist, zeigt das Schulexperiment „Die dritte Welle“ aus den USA. Und für alles Weitere reicht es, mit Eltern oder Großeltern zu sprechen!

Kathedrale von Reims
Die mächtige Kathedrale von Reims

Gegen Nachmittag erreichen wir Reims und im Hotel steht der Champagner herum, wie anderswo Wasser oder Brause. Nur, bezahlen muss man ihn trotzdem – und zwar nicht zu knapp.

Wir machen uns auf den Weg zur Kathedrale, einem der imposantesten gotischen Bauwerke Frankreichs, in dem 700 Jahre die französischen Könige gekrönt wurden und das seit 1991 Weltkulturerbe ist. Da hat es also doch noch mit dem Besuch eines solchen Erbstücks geklappt.

Marienstatue
Marienstatue in einer der vielen Seitenkapellen der Kathedrale

Drinnen ist es dunkel. Ein wenig so, wie im Kölner Dom. Man muss sich erst gewöhnen. Dann aber, entdeckt man die Schönheit der Details, der wundervollen Kirchenfenster, der Seitenkapellen mit ihren Heiligenfiguren und das stimmungsvolle Licht, der von den Gläubigen entzündeten Opferkerzen. Wenn dazu noch leise Orgelmusik durch das Kirchenschiff schwebt… Das hat schon was!

Kirchenfenster
Ein Beispiel für die wundervollen Kirchenfenster

Wir beschließen den Tag in einem der zahlreichen Bistros, wenden uns wieder unserem Champagnerhotel zu und sagen dieser schönen Stadt „Gute Nacht“.

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