Wir sind nicht gut drauf. Ist es der berüchtigte dritte Urlaubstag oder liegt es daran, dass wir gestern Abend mal wieder aus dem Restaurant „rausgemobbt“ wurden? Nette Tischnachbarn, viele gemeinsame Themen und eine sehr (!) aufmerksame Bedienung, die ständig Wein nachschenkte, haben dazu beigetragen, dass wir erst gingen, als die Crew bereits deutlich mit Geschirr klappernd zum Frühstück eindeckte…

Es nieselt auf dem Weg zur Memelburg – oder besser, zu dem, was noch von ihr übrig ist: Ein Turm und der Wall drum herum. Natürlich alles bestens erhalten. Man ist schließlich stolz auf seine Geschichte.
Ein paar Soldaten treten dort an. Sie präsentieren Unlust. Wahrscheinlich sollen sie helfen, die Überreste eines Festivals wegzuräumen, dass hier am Wochenende stattgefunden hatte. Bühnen- und Absperrungsreste lassen darauf schließen.

Wir schlendern entlang der Dané, schauen uns um und angesichts der Proportionen des Kreuzfahrers und der umliegenden Häuser kommt unwillkürlich die Frage auf, ob das alles so richtig ist, mit solchen Riesen über so kleine Städte, wie Klaipeda herzufallen.
Weiter, entlang des Flusses liegt ein kleines Schiff der lettischen Marine, von dem wir später erfahren werden, dass es das einzige ist. Sein Zustand lässt die Angst der Litauer vor einer neuerlichen russischen Invasion durchaus begründet erscheinen…

Klaipeda schläft noch. Die Promenade an der Dané ist menschenleer, kein Leierkastenmann, die Restaurants geschlossen. Bei diesem Wetter wirkt die sonst an das morbide Äußere des nicht-touristischen Venedigs erinnernde Altstadt lediglich traurig und manchmal einfach verfallen.

Irgendwo hier finden wir die „Zaubermaus“, eine kleine Bronzefigur, der man seine Wünsche oder Sehnsüchte in ihre blankgescheuerten Ohren flüstern soll, damit sie sie in Erfüllung gehen lassen kann. Machen wir natürlich auch! Nützt’s nix, so schad’s auch nix.

Am Theaterplatz finden wir tatsächlich ein Café für einen Cappuccino und machen das obligatorische Foto vom Simon-Dach-Brunnen mit dem Ännchen von Tharau. Tags zuvor hatte der Bordlektor noch darauf hingewiesen, dass es sich bei der Figur auf dem Brunnen um ein Mädchen handelt und nicht um eine Ente. Ob es ihm als Kind genauso ging, wie mir?
Danach trotten wir durch den Nieselregen zurück zum Schiff und verschlafen den Nachmittag.