Riga – Die Perle des Baltikums

Riga ist die unbestrittene Perle des Baltikums! Während sich Lübeck, Wismar und Greifswald den hansestädtischen Charme von Backsteinbauten und gediegenem Handelsflair durch Denkmalschutz bewahren, präsentiert sich Riga einerseits geschichtsbewusst, andererseits aber offen für internationale Einflüsse – mal freiwillig,  mal eher nicht.

Natürlich ist Riga nicht überall schön – welche Stadt ist das schon und die Sowjetbauten sprechen diesbezüglich ihre ganz eigene Sprache – aber dort, wo ganze Stadtteile aus phantastischen Jugendstilhäusern bestehen oder wo Strukturen der Hansezeit noch sichtbar sind (auch, wenn Historiker darüber nörgeln,  dass manche Bauten Rekonstruktionen sind), da kann man gar nicht genug von ihr bekommen.

Das Opernhaus

So ging es übrigens auch Richard Strauß, der sich hier zwei Jahre lang sehr wohl fühlte, am Opernhaus wirkte, die Oper „Rienzi“ schrieb und erst „flüchtete“, als er so viele Schulden angehäuft hatte, dass er sie nicht mehr bezahlen konnte. Er floh nach Bayreuth…

Wir fahren aber zunächst in die „Lettische Schweiz“, nach Sigulda, nordöstlich von Riga im Tal der Gauja gelegen.

Schloss in Sigulda

Der Begriff „Schweiz“ ist natürlich maßlos übertrieben, aber im flachen Lettland, sind Hügel von 40 Metern schon sehr bemerkenswert. Der Ort an sich ist es tatsächlich weniger. Es gibt erstaunlich viele neue Einzelhäuser, einen historischen Bahnhof, ein hübsches Schloss im neugotischen Stil und die Ruine seines Vorgängers. Und wieso die vielen neuen Häuser? Nun, inzwischen verkaufen oder vermieten viele Städter ihre attraktiven Jugendstilwohnungen, um sich hier auf dem Land neu anzusiedeln. Sigulda ist quasi Rigas Familienboomtown.

Weiter geht’s zum Turaida-Museumsreservat im Gauja-Nationalpark, dem mit über 90 Hektar größten in Lettland und nur wenige Fahrminuten von Sigulda entfernt.

Leider sehen wir damit lediglich einen kleinen Ausschnitt davon, erhalten aber im dortigen Volksliederpark einen interessanten Einblick in die baltische Sängerseele.

Am 23. August 1989 bildeten Menschen aus allen drei Staaten eine 600 Kilometer lange Kette von Tallinn nach Vilnius und sangen ihre Volkslieder – was unter den Sowjets verboten war. Dieser sogenannte „Baltische Weg“ läutete das Ende der Sowjetherrschaft ein.

Direkt vor dem großen Granitdenkmal für Krišjānis Barons, dem bedeutendsten Sammler von Dainas – vierzeiligen Liedern über das Leben, den Glauben und das Wesen der Menschen in Lettland – singt unsere Fremdenführerin eines dieser Lieder vor und erklärt dessen Inhalt, denn die lettische Sprache bleibt uns selbst bei bestem Willen völlig unverständlich.

Anschließend streifen wir noch durch die Reste einer Mauerburg, die einst für Bischof Albert von Bremen, den Christianisierer des Baltikums aus dem 13. Jahrhundert, gebaut wurde und besuchen die kleine Kirche von Turaida.

Auf dem Rückweg nach Riga fragen wir uns, wieso wir 2018 mit den Motorrädern an dieser Gegend komplett vorbei gefahren sind. Unser Frust über die eintönige Landschaft wäre hier mit Sicherheit nicht aufgekommen.

21:30 Uhr. Schlagerparty am Pool. Als wir ankommen, schmettert Herr Carpendale gerade sein „Hello again“ in die Menge und uns kommen böse Assoziationen an ein Konzert mit ihm in Chemnitz, in das wir nur gegangen waren, weil sonst ein relativ wertvoller Gutschein verfallen wäre. Auf Howie folgt Achim Reichel mit seinem „Aloaloahealoaheahealoaheahe“, das nahtlos in rhythmisches Stampfen zu irgendeinem Schlager von Lale Andersen übergeht. Jetzt bleibt uns nur die Flucht!

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