Tallinn – einstmals Reval

Mittwoch, Seetag: 

Lektorvortrag angehört, ansonsten gepennt und wieder im Shopping-Center des Schiffes nix gekauft…

Donnerstag: Tallinn, das alte Reval

Wir shuttlen uns in die Stadt. Zu Fuß haben wir keine Lust – obwohl es nicht weit ist. Aber gestern war es wieder spät, sehr spät geworden (nein, nein, wir wurden diesmal nicht „rausgemobbt“; den Aufbruch in die Kabine hatten wir grad noch selbst auf die Reihe bekommen)…

Blumenmarkt vor dem Stadttor

Tallinn empfängt uns wie üblich, mit einem Blumenmarkt vor dem eigentlichen Stadttor. Ein schöner Empfang! Hinter dem Tor biegen wir nach rechts ab und gehen ein Weilchen an der alten Stadtmauer entlang.

entlang der Stadtmauer
Aufgang zum Umgang auf der Stadtmauer

In einem Turm kann man für vier Euronen aufsteigen und hat einen wunderbaren Blick über die Altstadt und in benachbarte Hausgärten, die sich zwischen den Häusern und der Stadtmauer befinden . Nicoline hat ihn. Mein optisches System, wie auch mein Gefühl für Gleichgewicht sind noch nicht wirklich wach – ich hätte das Eintrittsgeld besser in Lakritzeis anlegen sollen (aber dazu später).

Blick über die Stadt

Nach dem Ausflug in „höhere Gefilde“ ziehen wir durch kleine Gassen, über kleine und große Plätze, vorbei an schönen alten Häusern aus dem Mittelalter, aber auch an solchen, bei denen man unwillkürlich denkt „gehören die hier wirklich hin?“ (auch Tallinn ist nicht überall schön), passieren unzählige Souvenirläden und mindestens ebensoviele Straßenrestaurants, immer mit dem Ziel, in die Oberstadt, zur Burg zu kommen.

überall Gaststätten

Dort wollen wir wir in die orthodoxe Alexander-Newski-Kathedrale, gegenüber dem estnischen Parlamentsgebäude, wobei uns sehr zu Gute kommt, dass gerade Feueralarm ist und alle Besucher so rasch wie möglich aus der Kirche strömen. Weil es aber offenbar nirgends brennt und auch die Feuerwehr regungslos vor der Kirche verharrt, gehen wir, dem Touristenstrom entgegen.

Alexsander-Newski-Kathedrale

Sehenswert! Wirklich sehenswert! Wir sind sehr froh, uns  – relativ allein – etwas Zeit für die Ikonostase, die Bilderwand, die den Bereich der Gläubigen vom Altarraum trennt, nehmen zu können und genießen die Atmosphäre, die zum großen Teil auch von den verschiedenen Heiligenbildern an den Wänden erzeugt wird.

Ikonostase in der Kathedrale
Heiligenbild

Was wäre Tallin ohne den Katharinengang mit seinen berühmten überspannenden Querstreben, mit denen die mittelalterlichen Häuser nebenan stabilisiert wurden (und wohl immer noch werden) und in der heute die offenen Kunsthandwerkateliers der „Katharina Gild“ zu finden sind – einem Zusammenschluss von (ausschließlich) Frauen, die 1995 beschlossen, in dieser Gasse und in deren Nebenstraße einen Gegenpol zu dem Kitschangebot der üblichen Souvenirläden zu bilden.

So schön das alte Reval auch ist und so schön es ist, alles noch einmal zu sehen, mir fehlen die vielen Musiker, die 2018 hier an jeder Ecke standen oder saßen und mit oft russischen Weisen das besondere Flair dieser Stadt schufen. Sie sind ganz offensichtlich in Ungnade gefallen. Niemand will sie mehr hören. Sehr schade!

Nun, bevor wir den Bus für die Rückfahrt zum Schiff erreichen, erinnern wir uns eines Hinweises vom Bordlektor: „Probieren Sie in Estland unbedingt Lakritzeis!“ Also, in Ermangelung einer Eisdiele, rein in den nächsten Supermarkt und Lakriteis gesucht. Leider ausverkauft. Aber es gibt noch Salmiakeis. Man soll ja aufgeschlossen durch die Welt gehen. Schmeckt ziemlich giftig. Wir entsorgen es im nächsten öffentlichen Mülleimer…

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