Helsinki

Die geneigte Leserschaft unserer Reiseberichte weiß, dass wir Finnland zwiegespalten gegenüberstehen. Finnen waren oft einsilbig,  muffelig oder demonstrativ desinteressiert, Helsinki, Turku und auch Inari im Norden hatten bei uns einen wenig bleibenden Eindruck hinterlassen. Dann, 2018, die Erfahrung,  dass Finnen auf ihre Art sehr freundlich und hilfsbereit sein können, manche sogar kommunikativ, ja sogar redselig.

Heute nun also Helsinki. Mal sehen, was die Stadt für uns bereit hält. Einen Ausflug haben wir nicht gebucht, nur einen Shuttlebus, der uns mitten in die City karrt.

Esplanade in Helsinki

Von dort marschieren wir über die Esplanade, einen hübschen Park, ganz ähnlich dem in Stockholm, direkt zur Kathedrale. Zwar verlangt man uns Eintrittsgeld ab, aber dafür gibt es um 12:00 Uhr auch ein Orgelkonzert.

In der Kirche stehen drei große Figuren, bezeichnet mit ihren jeweiligen Namen: M. Luther, P. Melanchthon und M. Agricola. Wieso „M.“? Der hieß doch Georg Bauer (oder Schorsch), lateinisiert Georgius,  – weit und breit kein „M“ – und außerdem,  was macht der hier in der Kirche?

M. Agricola

Nun, im Dom gibt eine App Auskunft: Dieser Agricola hieß Micael, war Schüler von Luther und hat als erster das Alte Testament ins Finnische übersetzt. Damit gilt er als Vater der finnischen Schriftsprache und ist wohl für die vielen „ää“s, „üü“’s, „kk“s, wie auch für die Lieblings-Wortendung der Finnen,  das „i“ (Hotelli, Apteekki, Esplanadi) verantwortlich. Womit klar ware, dass in Folge dessen auch die Orts- und Straßenschilder, die niemand mal eben im Vorbeifahren lesen kann, auf sein Konto gehen – man beachte: Die Finnen selbst beschriften ihre Straßenschilder inzwischen zweisprachig. Tja, man lernt nie aus…

Die Orgel im Dom zu Helsinki

Das Orgelkonzert ist dann wirklich schön! Der Kantor holt aus dem mächtigen Instrument alles raus,  was geht. Leider erfahren wir nicht , wie das erste Stück heißt. Das zweite, Bachs „Jesus, meine Freude“ kennt man und es hört sich jetzt eher wie eine bescheidene Fingerübung an. Na ja, ich hab’s in der Klavierversion trotzdem nie richtig hinbekommen.

Gardeparade der Dragoner aus Turku: Zum Anschauen des Videos bitte auf das Bild klicken.

Draußen auf dem Senatsplatz (Senaatintori – ist alles drin: Zweimal „a“ und am Ende „i“) dann die Alternative: Gardeparade! Soldaten musizieren und marschieren wie bei einem Military Tattoo in Formationen über den Platz. Berittene Polizisten sichern die Veranstaltung ab und eine junge Polizistin gibt mir freundlich (!) fundiert Auskunft: Gardeparaden finden auf diesem Platz seit über 250 Jahren im Sommer immer an Freitagen statt. Dieses Jahr ist es die 268 mit den Dragonern aus Turku, nächsten Freitag mit der Gardekapelle aus Helsinki.

Ein Gang über den Markt am Hafen

Nach soviel Musik schlendern wir über den Markt am Hafen, laufen wieder einmal an der mächtigen Uspenski Kathedrale, der  größten orthodoxen Kathedrale Westeuropas vorbei. Es ist mindestens das dritte Mal, aber irgendwie fehlt und immer die Zeit, dem mächtigen Bauwerk einen Besuch abzustatten. Schade eigentlich.

Uspenski-Kathedrale – ob wir sie jemals besichtigen werden?

Wo wir schon mal am Hafen sind, werfen wir auch einen Blick in die Markthalle und laufen vorbei am Muminladen – schließlich wohnen die hier im Mumintal. Danach erreichen wir das  Kaufhaus „Stockmann“ – eine Empfehlung des Bordlektors. Der scheint allerdings weder das Lafayette in Paris, Jenners in Edinburg,  das KaDeWe in Berlin, Oberpollinger in München oder das Alsterhaus in Hamburg zu kennen, denn Stockmann ist zwar eine finnische Institution und besitzt eine imposante, fast bedrohlich wirkende Fassade, ist innen aber lediglich eine kleine, etwas einfachere Kopie der anderen.

in der Markthalle

Kaufhaus Stockmann

Trotzdem, Helsinki hat diesmal einen sehr guten Eindruck bei uns hinterlassen.  Wir werden im Spätherbst zur „Tangotour“ wieder hier sein. Mal sehen, wie es dann ist – und vielleicht finden wir dann sogar etwas Zeit, um in die Uspenski Kathedrale zu gehen…

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