Finnische Schweden oder schwedische Finnen?

Åland besteht aus über 6.000 Inseln und 30.000 Einwohnern, liegt zwischen Finnland und Schweden, gehört politisch zu Finnand, hat ein eigenes Parlament und ist damit in vielen Fragen des täglichen Lebens autonom. Man spricht schwedisch – und das sehr bewusst – zahlt aber gern mit Euronen!

11.000 der 30.000 Einwohner leben in Mariehamn, der Hauptstadt Ålands. Der Rest verteilt sich sehr ungleichmäßig auf die übrigen Inseln, d.h. die meisten sind unbewohnt. Im Verhältnis zu diesen Zahlen ist Mariehamn also eine Miniaturgroßstadt. Und genau so erfahren wir sie auch.

Eine der über 6.000 Inseln

Die Mitte ist rechteckig aufgerissen und erinnert mit ihren schlichten, schmucklosen Bauten im Stil der 1970er-Jahre an das norwegische Bodö. Modern, aber wenig ansprechend. Nichts für’s Auge, wenngleich einiges, wie zum Beispiel das Parlamentsgebäude, durchaus repräsentativen Charakter hat. Mitten drin dann doch eine kleine Einkaufsstraße mit allerlei Souvenir- und anderen Läden, vereinzelt ein Café oder eine Bar. Hier weht ein winziger Hauch von Dänemark über das Kopfsteinpflaster. Nein, ich habe mich nicht verschrieben. Uns erinnert diese Straße ein ganz klein Wenig an Fußgängerzonen dänischer Klein- und Mittelstädte.

Dänisch anmutende Innenstadtstraße

Sie endet an einer üppig großen Allee. Zwei Fahrspuren in jede Richtung, in der Mitte ein breiter Streifen zum Flanieren, gesäumt von unzähligen alten, Schatten spendenden Linden – der Lindenallee Mariehamns. Sie führt vom Ost- zum Westufer der Stadt, mit dem Hafen, dem Fähranleger, dem Schifffahrtsmuseum und – wenn man den Fußweg nicht scheut – letztendlich auch zur Pommern, einem der letzten P-Liner der Laeisz-Reederei, die hier als Museumsschiff liegt.

Die Pommern

Drum herum um die Mitte, Straßen mit sehr hübschen Wohnhäusern – nicht höher als zweistöckig, meist aus Holz – ganz im Stil der schwedischen Einzelhausbauten. Dezente Farbgebung in Aquarelltönen von bleu, hellgrau über lichtgelb bis zu dezentem hellgrün, dazu weiße Fensterlaibungen; vereinzelt in der Mitte ein Eingangsvorbau mit kleinem Walm- oder Spitzdach, getragen von meist ebenfalls weißen Säulen, in dem zwei oder drei Stufen hinauf zur Eingangstür führen – an der Hauswand gern auch ein paar Rosen im Kontrast zur Hausfarbe. Davor ein kleiner, gepflegter Garten mit ebenso gepflegtem Hozlattenzaun. Hier lässt es sich leben!

Hübsche Wohnhäuser

Nur, wovon lebt man hier eigentlich? Industrie ist kaum zu sehen – auch außerhalb der Stadt nicht.  Dort herrscht die Landwirtschaft vor und in kleinem Maße auch der Obstanbau. Wahrscheinlich ist man einfach Dienstleistungszentrum für die anderen 19.000, die hier nicht wohnen. Mit dem Hafen, den Reedereien Viking und Eckerö, dem Einkaufszentrum vor den Toren der Stadt und mit den durch die Autonomie notwendigen Behörden. Wir vermuten, Åland erhält sich selbst.

Schloss Kastelholm
Festung Bomarsund (Die Reste der Feste)

Wir bleiben hier auf dem Campingplatz Gröna Udden zwei Tage. Einen für die Stadt und einen weiteren für die Hauptinseln, die wir mit den gepäckentlasteten Maschinen erkunden. Und dabei merken wir, dass man hier Zeit braucht.

Obstanbau
Allein über die Inseln – es herrscht so gut wie kein Verkehr
Am Ende der Welt – hier fährt heute gar nichts mehr…

Natürlich sind die Inseln vergleichsweise klein, und an kulturhistorischen Zielen gibt es eigentlich nur zwei – das Schloss Kastelholm in Sund und die ehemals russische Festung Bomarsund – aber es gibt so viele Stellen, an denen man gar nicht schnell fahren möchte, an denen man lieber mal ein Foto macht oder die Szenerie auf sich wirken lässt, so dass wir irgendwann merken, uns ist eben diese Zeit davon gelaufen und wir sollten zum Zelt zurück kehren.

Zurück am Zelt

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